Jacques Marie Mage verwandelt sein Archiv in eine neue Sprache für Luxusbrillen

Mit “Iconographies” greift die Brillenmarke aus Los Angeles ihre charakteristischen Silhouetten wieder auf und verbindet dabei kulturelle Archetypen, japanische Handwerkskunst und kontrollierte Knappheit, um zu zeigen, dass Luxus auf wiedererkennbaren Codes basiert.

Bildnachweis: Jacques Marie Mage / Horst Diekgerdes

Die Modebranche ist süchtig nach Neuem. Jacques Marie Mage ist ein Plädoyer für eine Wiederentdeckung.

Für ihre Circa-Kollektion für den Sommer 2026 hat die in Los Angeles ansässige Brillenmarke folgende Modelle vorgestellt: Ikonografien, eine Kampagne zu Ehren der Künstler, Musiker, Filmemacher, Schriftsteller und kulturellen Provokateure, die die visuelle Vorstellungswelt der Stadt geprägt haben.

Fotografiert und gefilmt von Horst Diekgerdes, gestylt von Ondine Azoulay und gespielt von Evelien Joos, … Die Kampagne setzt auf ausdrucksstarke Schwarz-Weiß-Porträts, um den Charakter vor das Spektakuläre zu stellen. Die abgebildeten Personen wirken weniger wie herkömmliche Models, sondern eher wie Figuren aus einem imaginären kulturellen Archiv.

Die Botschaft ist klar: Eine Brille wird zum Kult, wenn sie eine unverwechselbare Persönlichkeit zum Ausdruck bringt.

Bildnachweis: Jacques Marie Mage / Horst Diekgerdes

Das Archiv wird zum Produkt

Anstatt seine bekanntesten Designs zugunsten saisonaler Neuheiten aufzugeben, kehrt Jacques Marie Mage zu den Silhouetten zurück, die die Marke bekannt gemacht haben.

Die Dealan, das 2015 erstmals vorgestellt wurde und von der Beziehung zwischen Künstlern und ihren Brillen inspiriert ist, erscheint nun in neuen MX- und TI-Ausführungen. Das Turin und Zephirin erhalten ähnliche Neuinterpretationen, während die Modelle „Molino“ und „Violet“ das Stilspektrum der Kollektion erweitern.

Bildnachweis: Jacques Marie Mage / Horst Diekgerdes

Das ist keine Nostalgie. Es ist eine Strategie zur Stärkung der Markenkodizes.

In der Modebranche sind die erfolgreichsten Produkte oft diejenigen, die sich weiterentwickeln können, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. JMM betrachtet seine Brillenfassungen als unveränderliche Charaktere, die sich unabhängig von Material, Farbe und technischer Ausführung wiedererkennen lassen.

Technik als Sprache des Luxus

Das ehrgeizigste Entwicklungsprojekt ist die TI-Serie, bei der bewährte Designs aus Beta-Titan der Güteklasse 6 neu interpretiert werden.

Nach Angaben des Herstellers umfasst die Kollektion Brillenfassungen aus 6 mm dicken Titanblechen, womit die in Japan geltende Fertigungsgrenze von 5 mm überschritten wird. Die Bauteile werden mit einer 700-Tonnen-Presse geformt, auf einer 5-Achsen-Fräse präzisionsgefräst, von Hand poliert und mit einer kontrastierenden Metallbeschichtung veredelt.

Die Dealan TI und Zephirin TI machen die technische Konstruktion zu einem sichtbaren Bestandteil des Designs. Ihre skulpturale Stärke stellt die Annahme in Frage, dass Titanbrillen zwangsläufig zart oder unauffällig wirken müssen.

Die MX-Serie verfolgt einen anderen Ansatz und kombiniert massive 12-mm-Acetat-Frontteile mit fein gravierten Titan-Bügeln. Durch Materialinnovationen wird die optische Ausstrahlung der Originalfassungen bewahrt, anstatt sie auf leichtere, sicherere Versionen zu reduzieren.

Bildnachweis: Jacques Marie Mage / Horst Diekgerdes

Die Rolle besetzen, nicht den Prominenten

Der kulturelle Anspruch der Kampagne geht über die Geschichte ihrer Herstellung hinaus.

Die Schwarz-Weiß-Porträts erinnern an Künstlerstudien, Filmstills und Independent-Magazine. Die Bilder zeigen keine leicht zu identifizierenden Prominenten. Stattdessen verkörpert jede Person einen Archetyp: den Intellektuellen, den Provokateur, den Romantiker oder den Außenseiter.

Durch diesen Ansatz wird die Brille zu einem Teil der Persönlichkeit und nicht nur zu einem Accessoire, das man einfach dazu trägt.

Das ovale Titan Violet, … greift beispielsweise auf die minimalistische Romantik der späten 1990er Jahre zurück. Die zurückhaltende Silhouette erhält durch eine Clip-On-Konstruktion und hellviolette Gläser eine theatralische Spannung.

Bildnachweis: Jacques Marie Mage / Horst Diekgerdes

Knappheit aus einer bestimmten Perspektive

Die Kollektion, die in Auflagen von in der Regel 200 bis 400 Exemplaren hergestellt wird, verbindet Seltenheit mit technischer und ästhetischer Einzigartigkeit.

Die Brillenfassungen werden in Los Angeles entworfen und in Japan handgefertigt, wobei traditionelle Herstellungsverfahren mit moderner Technik kombiniert werden. Doch es ist nicht allein die Seltenheit, die den Reiz ausmacht. Was die Produkte zu Sammlerstücken macht, ist ihre Kontinuität innerhalb eines zunehmend wiedererkennbaren Designuniversums.

Bildnachweis: Jacques Marie Mage / Horst Diekgerdes

Ikonen schaffen, statt Trends hinterherzulaufen

Ikonografien stellt Jacques Marie Mage als eine Marke dar, die selbstbewusst genug ist, ihre eigene Geschichte neu zu beleuchten.

Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass Tradition nicht zwangsläufig auf einer jahrzehntelangen Unternehmensgeschichte beruhen muss. Auch ein jüngeres Unternehmen kann Tradition schaffen, indem es starke Grundsätze entwickelt, diese konsequent umsetzt und seinen besten Ideen Zeit gibt, zu reifen.

Jacques Marie Mage bringt nicht einfach nur eine weitere Brillenkollektion auf den Markt. Das Unternehmen baut ein Archiv auf – eine Fassung, eine Persönlichkeit und eine Ikonografie nach der anderen.

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